Rollenbasierte Apps sind die Zukunft

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  • Produkte sollten möglichst kundenzentriert, kundenorientiert und natürlich maßgeschneidert für die individuellen Bedürfnisse angeboten werden. In Zeiten, in denen der Kunde das Angebot maßgeblich bestimmt, wird es jedoch bei der Software- und speziell bei der App-Entwicklung immer schwieriger, die idealen und individuell auf den jeweiligen Einzelkunden bezogenen Funktionen bereitzustellen. Ständig wechselnde Anforderungen und neue Möglichkeiten der Einflussnahme stellen die App-Entwicklung dabei vor immer neue Herausforderungen. Die Folge: Der einzelne Mensch steht im Fokus vieler unterschiedlicher Systeme und muss versuchen, ihnen allen in der jeweils zugehörigen Rolle gerecht zu werden. Den umgekehrten Weg gehen rollenbasierte Apps, die dem Menschen gerecht werden, weil über eine einzige App alle unterschiedlichen Rollen abgedeckt werden können.

    Standard ist gestern

    Wer hat sich noch nicht über seine „Standard-Apps“ geärgert, welche zwar viele Informationen bereitstellen. Manche davon sind jedoch für die aktuelle Bedürfnislage völlig irrelevant. Nehmen wir beispielsweise den BMI-Rechner, der mich über meinen Body-Mass-Index informieren soll. Der gibt mir aber auch deutlich zu verstehen, dass ich zu klein bin. Dies interessiert mich gar nicht, aber abschalten kann ich diese Anzeige trotzdem nicht.

    Wie wäre es, wenn solche Funktionen, die mich nicht betreffen, von vornherein ausgeblendet werden? Und wenn ich über einen einfachen Konfigurationsdialog bestimmen könnte, welche Funktionen ich sehen will und welche nicht? Das wäre die Lösung aller Probleme. Doch wie kommen wir an diesen Punkt?

    In den klassischen Märkten hat hier teilweise schon ein Umdenken eingesetzt. Statt das Produkt in den Vordergrund zu stellen, heißt es nun: „Alles ist ein Service“. Nicht nur aus Kunden-, vor allem auch aus technischer Sicht gilt es, dieses Mantra zu verinnerlichen. Denn betrachtet man sämtliche Funktionen, die von einer App bereitgestellt werden, als „Services“, so sind dem Umfang individueller Apps auf einmal kaum noch Grenzen gesetzt. Wenn dann noch zentral auf meine Lebensumstände bezogene und von mir autorisierte Daten als Basis für rollenbasierte Services herangezogen werden können – etwa der Geburtstag, der Familienstand oder spezielle Interessen – ist das Ziel einer auf meine individuellen Bedürfnisse hin konfigurierbaren App zum Greifen nah.

    Zurück zur Realität

    Leider sieht die Wirklichkeit in vielen Bereichen noch anders aus und ist ausgesprochen restriktiv und abgeschottet. Jeder Anbieter promoted „seine“ App, will „seine“ Services immer im Vordergrund sehen und vergisst dabei vollständig, auf die Wünsche und Anforderungen seiner Kunden einzugehen. Die Folge: Die App geht in vielen Bereichen an den Anforderungen des Kunden vorbei. Wie hieß es früher bei der Benotung von Aufsätzen? „Thema verfehlt!“Wie könnte stattdessen diese ideale App-Welt aussehen? Was könnte man nutzen, was existiert schon, wie sieht der Weg dorthin aus?

    Alles wird Service

    Wenn alles Service ist, dann reicht beim Start der App ein Dialog, über den ich genau die entsprechenden Services wählen kann, die ich nutzen möchte. Analog zu meiner Rolle, wie sie anschließend in der Nutzerdatenbank hinterlegt ist, werden mir anschießend zusätzliche „Standard-Services“ zugespielt, die nicht abwählbar sind, weil sie unverzichtbare Informationen bereitstellen, wie etwa die Anzeige des Kontostands in einer Banking-App.

    Das Entscheidende in dieser Gesamtarchitektur ist der Zusammenhang, der zwischen dem Nutzer, seiner Rolle und den eventuell vorhandenen Zusatzinformationen hergestellt wird. Kombiniert man diese Informationen mit bereits vorhandenen Methoden, die es ermöglichen, den User mithilfe so genannter IAM-Systeme (Identity Access Management) sicher zu authentifizieren, dann ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, auch rollenübergreifende Services bereitzustellen. Das IAM stellt hier einen zusätzlichen Service dar, der es ermöglicht, sich übergreifend mit einer vertrauenswürdigen Identität zu authentifizieren.

    Daten für die Rollenbasis

    Um unsere neue Welt der rollenbasierten Apps richtig zu füllen, werden natürlich Daten benötigt. Diese sind von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Anreicherung unserer Services mit unterschiedlichen Angeboten geht. Über den einheitlichen Datenbankzugriff-Service eröffnen sich völlig neue Zugänge zu ganz unterschiedlichen Quellen:

    • Horizontale und generell verfügbare Daten, wie etwa GPS-Daten, die eine Anreicherung der Services mit Standardinformationen ermöglichen. Diese Zugänge sind meist frei verfügbar und hoch standardisiert.
    • Vertikale Daten, also Daten, die in einer bestimmten Branche als Standard angesehen werden und somit einfach zu integrieren sind. Diese Daten bringen einen großen Mehrwert für spezielle Märkte, wenn sie gezielt eingesetzt werden.
    • Organisationale Daten, das sind spezielle Daten, die auf die Anreicherung einer speziellen Funktion in einer Organisation abzielen. Diese werden getrennt von den beiden anderen Arten von Daten gehalten und integriert.

    Durch die Einbindung dieser drei Arten von Daten über IAM wird die Datenwelt einer neuen Service-App deutlich angereichert. Da die Schnittstellen meist standardisiert sind, werden die Integration deutlich vereinfacht und die Implementierungszyklen verkürzt.

    Schnittstellen und Design

    Steht die Datenbasis, kann man sich auf eigentliche Services konzentrieren. Diese Services werden künftig nicht mehr durch einen einzigen Provider bereitgestellt. Vielmehr steht die Integration von weltweit verfügbaren und ausfallsicher skalierbaren Services im Vordergrund. Die einfache Anbindung über Standardschnittstellen, wie etwa REST-Web-Services, bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Integration. Verfolgt man diesen Weg konsequent, so werden wichtige Funktionen zunehmend ausgelagert. Die App an sich konzentriert sich am Ende auf die reine Darstellung der Daten. Durch die Auslagerung von Daten und Funktionen kann sich der App-Entwickler nun rein auf die Darstellung und Anpassung des Designs konzentrieren. Dies ermöglicht eine völlig neue Art der App-Erstellung, der Programmierung und der Gestaltung. Denn durch direkte Integration von Standardservices können einzelne Elemente (wie etwa Buttons) direkt mit den Services verknüpft werden.

    Rollenbasierte Apps stehen vor der Tür

    Zusammengefasst kann man sagen, dass wir sehr kurz davorstehen, individuelle Apps für unterschiedliche Branchen bereitstellen zu können. Je nach Rolle, die der einzelne Mensch in seiner aktuellen Situation einnimmt, kann er jederzeit direkt auf alle für ihn relevanten Services zugreifen und unnötige Funktionen oder Informationen einfach ausblenden. Ist er beispielsweise ein Versicherungskunde und gleichzeitig Mitarbeiter des Versicherungsunternehmens, kann er alle für ihn relevanten Services über die selbe App nutzen. Plattformunabhängig kann er dabei iOS-, Android- oder auch Web-Anwendungen einsetzen. Dazu müssen alle Beteiligten einer klaren offenen Architektur folgen. Eine weitere wichtige Voraussetzung für die neue Welt der rollenbasierten Apps sind schnelle Internetverbindungen und vor allem ein Netz ohne Funklöcher. Hier hinkt Deutschland leider noch vielen anderen Ländern hinterher.

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